TitelthemaWenn es Zeit für die Nachfolge wird

Nachfolge im Handwerk: Ein Maurermeister aus Wolfsburg und ein Steinmetz aus dem Landkreis Peine berichten über diese aufreibende Unternehmensphase.

Maurermeister Velten Huhnholz übergibt an seinen Nachfolger Paul Sadowski das Maurerbuch.

So viele Betriebsinhabende wie nie stehen kurz vor dem Rentenalter, brauchen einen geeigneten Nachfolger für ihr Lebenswerk. Oft wird innerhalb der Familie übergeben, immer häufiger muss zunächst passender Übernehmer gefunden werden. Ein Maurermeister aus Wolfsburg und ein Steinmetz aus dem Landkreis Peine berichten über diese aufreibende Unternehmensphase.

Alter sagt nichts über Können aus

Velten Huhnholz hat sich in seinem großen Netzwerk früh nach einem Nachfolger umgesehen

Als Chef ins Angestelltenverhältnis zu wechseln, ist für viele undenkbar. Für Velten Huhnholz ist es das beste Rezept für seine Betriebsübergabe: „Ich arbeite meinen Nachfolger solange ein, bis sich alle sicher fühlen“, sagt der Maurermeister. Er hat seinen Betrieb an Paul Sadowski verkauft, bleibt aber angestellt. Der Kontakt sei innerhalb seines großen Wolfsburger Netzwerks zustande gekommen. „Nach einem geeigneten Nachfolger suche ich eigentlich schon immer“, erklärt der 59-Jährige. Für ihn war während seiner Selbstständigkeit bereits früh klar, dass er im Alter noch Zeit haben möchte, nicht zu spät ausscheiden will aus der Berufswelt. „Ich war 31 Jahre Betriebsinhaber, mit Erfolg und noch mehr Leidenschaft“, betont er. Er würde alles noch einmal genauso entscheiden. „Die Arbeit mit der Kelle in der Hand ist noch immer meine Erfüllung“, sagt er lächelnd. Schon früh habe er sich anders als die Konkurrenz in seinem Gewerk auf Kleinstaufträge als Nische spezialisiert. Gekümmert habe er sich um die abgebrochene Fliese unterm Waschtisch, den Durchbruch oder die Fugenarbeiten, weil es hierfür kaum Handwerker gebe. „Wir waren schon immer die Kümmerer und damit sehr erfolgreich.“ Paul Sadowski habe zunächst keine Vorstellung gehabt von diesem Portfolio, wollte den Betriebsalltag kennenlernen, um sich festlegen zu können. „Ich entschied spontan, einfach mitzuarbeiten, mir Baustellen, Kunden und Mitarbeitende anzuschauen“, erzählt der 22-Jährige. Schnell habe er ein Gefühl für die Unternehmensphilosophie und große Lust bekommen, diese weiterzuführen. Mit dem Angebot, in einer Übergangsphase den abgelösten Chef im Boot zu behalten, habe er sich wohlgefühlt. „Jeder Kunde, Partnerhandwerker, Lieferant und die Gesellen werden mir von Velten Huhnholz vorgestellt.“ Das helfe in der ersten Phase sehr. Dass er zu jung sei für eine Betriebsübergabe empfinden beide nicht: „Das Alter sagt nichts über das Können aus und die Erfahrung bleibt ja zunächst noch im Betrieb.“ Außerdem bringt ein Generationenwechsel laut Huhnholz immer auch neues Wissen mit: „Im Digitalen und Social-Media-Bereich kenne ich mich einfach nicht gut aus.“ Paul Sadowski habe aber genau diese Fertigkeiten, die gebraucht werden, um auch jüngere Kunden auf sich aufmerksam zu machen und sich für benötigtes Fachpersonal zu platzieren. Für beide sei diese Phase der gemeinsamen Übergabezeit ein Gewinn. Huhnholz betont: „Wir sind uns sympathisch, profitieren voneinander und ich freue mich über das Fortbestehen meines Betriebs.“

Zwei Handwerker und eine Handwerkerin stehen in der Werkstatt und bearbeiten einen Grabstein
Bauerfeld / Handwerkskammer

Praxis mit Emotionalem verbinden

Thorben Henseler empfindet großes Glück, den Familienbetrieb weiterführen zu dürfen

Dass sein Betrieb nun in nächster Generation weitergeführt wird, ist auch Peter Henselers ganzer Stolz: „Mein Sohn wollte von Anfang an ins Steinmetzhandwerk und irgendwann mein Nachfolger werden“, erzählt der 69-jährige Meister. Nun sei die Übergabe von Grabmale Henseler vollzogen, seit Januar gibt es einen neuen Chef. „Ich arbeite noch ein wenig mit, berate und kümmere mich um Kunden“, erzählt Peter Henseler. So könne Thorben Henseler noch von seinen Erfahrungen profitieren. Beibringen könne er dem Sohn nicht mehr viel: „Ich habe ihn schon immer mitgenommen zu Messen, wir haben Entscheidungen gemeinsam getroffen und uns für besondere Steine zusammen ausgesprochen, Kundengespräche zu zweit geführt.“ Es brauche viel Feingefühl und Gespür für Menschen und deren Bedürfnisse, wenn es um die Herstellung und den Verkauf von individuellen Grabsteinen geht.

Die Individualität mache auch für Thorben Henseler den Beruf zu etwas Besonderem. „Je ausgefallener und individueller die Vorstellungen sind, desto herausfordernder die Arbeit am Stein“, sagt der 30-Jährige. Dass er seinen Vater noch dabei habe, fühle sich gut an. Es gibt hin und wieder Situationen, in denen er wirklich gern um Rat frage. „Benötigen Familien beispielsweise ein Grabmal für ihr Kind, geht mir das sehr nahe,“ sagt der Steinmetz-Techniker. Da helfe der Erfahrungsschatz des Vaters.

Den Betrieb zu übernehmen, sei für ihn immer klar gewesen: „Es ist ein großes Glück, einen bestehenden Betrieb innerhalb der Familie weiterführen zu dürfen.“ Noch in diesem Jahr wird Grabmale Henseler erweitert: Neben den Filialen in Edemissen und Uetze soll noch eine weitere in Meinersen hinzukommen, inklusive Lagerhalle und Showroom. „In unserem Handwerk kann das Praktische mit dem Emotionalen verbunden werden, das ist an jedem Tag ein gutes Gefühl“, sagen Vater und Sohn.

Nachfolge in Handwerksbetrieben

57 Prozent

der Betriebsinhaber bundesweit geben als zentrale Herausforderung die Suche nach einem geeigneten Nachfolger an.

50 Prozent

der Übergebenden sind im Bundesschnit t 63 Jahre oder älter. Das Durchschnittsalter der Übernehmenden im Bundesschnitt
liegt bei 38,3 Jahre. In den kommenden Jahren dürften bundesweit mehr als 125.000 Betriebe übergeben werden.

20 Prozent

der Betriebsinhabenden im Bezirk der Handwerkskammer sind älter als 60 Jahre.

40 Prozent

der Betiebsinhaber bundesweit geben als zentrale Herausforderung die Ermittlung des Unternehmenswertes an.

30 Prozent

der Betiebsinhaber bundesweit sehen steuerliche Aspekte als zentrale Herausforderung.

Quelle: ZDH

 

Interview

Ricarda Klein zum Thema Nachfolge in Handwerksbetrieben.

Nachfolge in Handwerksbetrieben